Bettina Balaka, Albert C. Eibl
Doris Brehm (1908-1991).Eine Frau zwischen gestern und morgen// Maria Lazar (1895-1948). Gedankenstrahlen. Erzählungen
Gespräch
Freitag, 14. November
12.00 — 12.25 Uhr
3sat.Lounge
Messeeintritt
Herausgeber:innen Balàka und Eibl diskutieren das Editieren vergessener Frauenliteratur.
Doris Brehm (1908-1991)
Wien, 1942: Inmitten des vierten Kriegsjahres steht Gerda Manner vor der größten Herausforderung ihres Lebens. Theo, ihr Ehemann, den sie längst nicht mehr liebt, verfällt nach und nach der NS-Ideologie – will für den „Endsieg“ kämpfen –, während die gemeinsame Tochter Luzie verbotene Bücher liest, „feindliche“ Musik hört und kein Geheimnis aus ihrer Ablehnung Hitlers macht. Als Theo in den Krieg zieht, liegt es an Gerda, Entscheidungen zu treffen: für ihre Familie, den Buchladen und das Antiquariat, die Theo beide in Gerdas Obhut hinterlässt, und für sie selbst. Gerda beginnt, sich zu emanzipieren.
In einer Zeit, in der jeder Fehler der letzte sein kann, riskieren Gerda und Luzie alles. Sie verstecken sogenannte „Unterseeboote“: die Jüdin Mira Goldberg, die untergetaucht ist, und Kurt Bachner, einen Arzt und Freund der Familie, der im Widerstand tätig ist – und der Gerda mehr bedeutet, als sie sich einzugestehen wagt. Die Wohnung über der Buchhandlung wird zum Zufluchtsort: Versteckt hinter Büchern, die nicht mehr existieren dürfen, retten Gerda und Luzie mehr als nur Orte. Sie schaffen einen sicheren Ort, grenzen die Zerstörung aus.
Aber das ist nur der Anfang … Denn in jederlei Hinsicht spürt Gerda, dass die Fronten des Krieges längst in Wien angekommen sind. Dass das hier der Ort ist, an dem sie kämpfen muss.
Maria Lazar (1895-1948)
Die Erzählungen & Short Stories der nun auch im In- und Ausland auf der Bühne erfolgreich wiederentdeckten österreichisch-jüdischen Exilautorin Maria Lazar (1895–1948) sind ein literarischer Schatz, der jetzt erst gehoben wird. In ihren eigenwilligen, schwarzhumorigen Narrativen zeigt sich Lazar als scharfsinnige Beobachterin der menschlichen Seele. Mit prophetischer Klarheit beleuchtet sie gesellschaftliche Zwänge, politische Umbrüche und die inneren Kämpfe ihrer Figuren. Ihre Protagonistinnen und Protagonisten kämpfen um Selbstbestimmung, stellen sich den Schattenseiten des Lebens und brechen immer wieder aus den Konventionen ihrer Zeit aus. Mit ihrer prägnanten, unverstellten Sprache und ihrem tiefen psychologischen Verständnis für die Abgründe des menschlichen Daseins zieht Lazar ihren „unbekannten Leser“ in ein bislang noch unbekanntes Kaleidoskop voller Begegnungen, Widersprüche, Sehnsüchte, Grenzgänge und unerhörter Erfahrungen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Unter dem Titel Gedankenstrahlen versammelt dieser Band erstmals Meistererzählungen Lazars aus den späten 30er und frühen 40er Jahren, die zum Teil noch nie veröffentlicht wurden. Er eröffnet damit gleichsam einen neuen Blick auf eine virtuose Autorin, deren Werk zunehmend kanonisiert wird – gerade vielleicht weil es heute aktueller scheint als je zuvor.
Moderation: Till Koeppel, Ö1
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